Ein Leben In materieller Not

         Nach der Scheidung der Eltern hatte Holz mit materiellen Problemen zu kämpfen, die ihn sein ganzes Leben begleiteten. Dem großen Dichter und Mitbegründer des Naturalismus ist es nie vergönnt gewesen, materielle Reichtümer aus seinem literarischen Schaffen zu erwerben. Es hatte immer nur knapp zum Nötigsten gereicht. Er selbst sprach bereits 1896 von seiner »...materiellen Not in zwingendster Form.« Lange Zeit blieben seine Werke bei den Verlagen nahezu ungenutzt liegen. Das erste in Zürich herausgegebene Buch brachte nur ein Honorar von 25 Mark ein. Erst in den Jahren 1904/05 stellten sich mit dem Gedichtband Dafnis und dem mit Oskar Jerschke gemeinsam verfassten Theaterstück Traumulus erste Erfolge ein (am 23. September 1904 im Berliner Lessingtheater mit Albert Bassermann in der Hauptrolle uraufgeführt). Die übrigen mehr als 40 Jahre seiner Schriftstellerkarriere verdiente er nur wenig und lebte eigentlich an der Armutsgrenze. Vorübergehend brachten ihm einige Patente für Kinderspielzeug etwas Geld ein. Die letzten 19 Jahre seines Lebens verbrachte er in Berlin in einer ärmlichen Dachkammer, die ihm als Wohnstätte diente.

         Er wurde zeitweise von Gönnern, Freunden und Verwandten finanziell unterstützt. In diesen schlimmen Zeiten musste auch der Königsberger Kulturring Goethebund oft finanziell eingreifen, um das Überleben des Dichters in seiner Berliner Dachwohnung zu sichern. Auch sein großes Hauptwerk, der Gedicht-Zyklus Phantasus, an dessen Vervollkommnung er lebenslang gearbeitet hat und das schließlich fast 1600 Seiten umfasste, ließ ihn ebenso wenig aus materieller Not herauskommen. Erst nach seinem Tod bekam die Familie ein erfreuliches Honorar aus der von Carl Froelich inszenierten Verfilmung des Dramas Traumulus mit Emil Jannings in der Titelrolle (1935) -zu spät für Arno Holz.

Dachstubenidyll” in Berlin